Bhutan – Im Land des donnernden Drachen

Eingebettet in die einzigartige himalayische Bergwelt Asiens, angrenzend an Tibet (China) im Norden und Indien im Süden präsentiert sich das Königreich Bhutan, dessen Fläche der der Schweiz entspricht. Über 80 % der Fläche von Bhutan liegen über 2000 m, wobei der Gangkhar Puensum mit 7570 Metern nicht nur der höchste Berg des Landes, sondern auch der höchste vom Menschen unbestiegene Berg der Welt ist. Wer die Höhenkrankheit fürchtet sollte von Reisen nach Bhutan absehen, während Trekking-Urlauber mit den vielen Möglichkeiten des Himalayas in Bhutan voll auf ihre Kosten kommen. Trekking-Touren im Bhutan sind allerdings nur in Begleitung eines Führers möglich und benötigen Genehmigungen.

Viele Reiseführer liefern die Fehlinformation, dass Bhutan die Einreise von Touristen auf eine jährliche Zahl von etwa 5000 Besuchern limitiere. Doch vielmehr liegt die beschränkte Einreisemöglichkeit eher an der Zahl der zur Verfügung stehenden Hotelbetten und an der begrenzten Anzahl an Flüge nach Bhutan. Das arme Land, das Lebensmittel aus den Nachbarländern importieren muss, weil es mit der eigenen Wirtschaftskraft seine Bevölkerung nicht ernähren kann, hat mittlerweile den touristischen Wirtschaftszweig für sich entdeckt und baut diesem immer weiter aus. Individualreisende müssen für ihre Reise nach Bhutan eine Reisepauschale von 240 US-Dollar pro Tag einkalkulieren, mit der aber Unterkunft, Verpflegung, Reiseführer usw. verrechnet werden können.

In Bhutan gibt es keine Autobahnen und die wenigen ausgebauten Straßen sind nur für ein geringes Verkehrsaufkommen geeignet. Durch die gebirgige Landschaft gibt es ebenfalls kaum gerade Straßen und so dauern Fahrten von entlegenen Dörfern in die Städte teilweise mehrere Tage. Geprägt wird der Straßenverkehr in Bhutan durch Linksverkehr und Drahtseilhängebrücken.

Tiger's Nest - Bhutan
Das Kloster Taktsang ist das bekannteste Wahrzeichen des Königreiches Bhutan.

Der einzige Flughafen in Bhutan befindet sich in der Stadt Paro, die somit das gateway in die Gebirgswelt Bhutans bildet. Eine der ersten Anlaufstellen eines Urlaubs in Bhutan ist in Paro die Ruine des Drukgyel Dzongs, die seit 1647 auf einem Plateau im oberen Paro-Tal thront und Ausgangspunkt für viele spannende Trekkingtouren ist. Von hier aus beginnt man auch die Wanderung zu der berühmtesten Sehenswürdigkeit von Bhutan: das buddhistische Kloster Taktsang, auch Tiger’s Nest genannt. Nach einer sechsstündigen Wanderung durch das atemberaubende Gebirge erreicht man auf 3000 Metern Höhe das Kloster, das auf einem Felsvorsprung erbaut wurde, der mehrere hundert Meter steil in die Tiefe ragt. Das Tiger’s Nest fiel mehrfach Bränden zum Opfer und wurde 2005 feierlich als originalgetreuer Nachbau wiedereröffnet.

Thimphu - Bhutan
Die Gedenk-Chörten für Jigme Dorji Wangchuk (bis 1972 König von Bhutan) in Thimphu.

Östlich von Paro liegt Thimphu, die Hauptstadt von Bhutan. Die Entwicklung zu einer Stadt vollzog sich in Thimpu erst 1961 und während die Stadt Ende der 80er nur 16.000 Einwohner zählte so leben mittlerweile immerhin stattliche 100.000 Bhutanesen in ihrer Hauptstadt. Thimphu beherbergt die größte Buddha-Statue von Bhutan, die zu den größten Statuen der Welt gehört. Sie erhebt sich auf dem Berg Kuensel Phodrang und blickt über ganz Thimphu in die Bergwelt von Bhutan. In Thimphu, am Fluss Wangchu, feiern die Bhutanesen mit Tanz und Gesang in prachtvollen Gewändern ihre traditionellen Feste, wie zum Beispiel das Thimphu Tsechu, das zu Ehren des großen Gurus Rimpoche abgehalten wird.
Sieben Kilometer nördlich der Hauptstadt liegt der Hauptpalast der Könige von Bhutan. Der Dechencholing-Palast wurde 1953 zum Gedenken an Jigme Wangchuck erbaut, wird heute aber nur noch für repräsentative Zwecke genutzt. Die Königsfamilie von Bhutan lebt heute im Samteling-Palast.
Wer das pulsierende Treiben der Hauptstadt erleben möchte besucht den wöchentlichen Markt und stöbert zwischen den Ständen nach Kostbarkeiten und Andenken an die Reise nach Bhutan. Wer an der Kultur Bhutans interessiert ist besucht die vielen Museen, die Nationalbibliothek oder auch das traditionelle Krankenhaus mit seiner Naturheilmedizin.
Weitere Sehenswürdigkeiten in Thimpu sind die heute als Regierungssitz genutzte Klosteranlage Trashi Chhoe Dzong und die Gedenk-Chörten für König Jigme Dorji Wangchuk. Und neben den vielen Klosteranlagen, die Ziele kleiner Wanderungen an Berghängen und in Seitentälern unweit der Stadt sind, ist vor allem der mächtige Dzong mit seinen riesigen Mauern eine lohnende Sehenswürdigkeit in Thimpu und in Bhutan.

Chimi Lakhang Tempel - Bhutan
Der Chimi Lakhang Tempel ist ein Wallfahrtsort im Zentrum des Landes Bhutan.

Folgt man von Thimphu den Serpentinenstraßen durch Bhutan nach Osten erreicht man Wangdue Phodrang, deren Altstadt und Dzong oberhalb des Puna Tsang Chhu liegen. Hier kann man das Gangtey Gompa-Kloster aus dem 17. Jahrhundert bestaunen. Reisenden finden sich in goldenen Maisfeldern wieder und Einheimische treiben ihre Yaks, die die Lebensgrundlage eines großen Teils der in Bhutan lebenden Menschen darstellen. Fährt man 15 Minuten in Richtung Damphu wird man das Dorf Lobensa erreichen, das der Ausgangspunkt für eine Wanderung durch Reisfelder zum Tempel Chime Lhakang ist. Der Tempel wurde  1499 erbaut und ist ein Pilgerort für unfruchtbare Frauen.

Reist man nun nach Norden erreicht man das Städtchen Punakha, in deren Dzong der einbalsamierte Leichnam von König Nawang Namgyal aufbewahrt wird. Der Punakha-Dzong gilt als Paradebeispiel der Klosterarchitektur Bhutans. Auf den Feldern rund um Punakha wird Reis angebaut und kleine Dörfer betten sich in die umliegenden Felsen und bieten ein malerisches Bild.
Nördlich von Punakha liegt der Jigme-Dorji-Nationalpark, der der größte Nationalpark von Bhutan ist. Höhenunterschiede von 1.000 bis 7.000 m und der Monsun machen dieses Gebiet zu einem artenreichen Paradies für Tiere und Pflanzen und die hiesigen Gletscher  speisen die größten Flüsse von Bhutan. Besondere Sehenswürdigkeiten im Jigme-Dorji-Nationalpark sind die Heiligen Berge von Bhutan wie der Chomolhari und der Jichu Drakey.

Trongsa Dzong - Bhutan
Der Trongsa Dzong ist der größter Klosterbau von Bhutan.

Weiter östlich, im zentralen Gebiet von Bhutan, findet man den Trongsa Dzong als größte Klosterfestung Bhutans aus dem 17. Jahrhundert und den Beobachtungsturm Ta Dzong als Sehenswürdigkeiten der Stadt Trongsa. Der Trongsa Dzong am Fluss Mangde hat eine geschichtsträchtige Bedeutung, denn hier wurde der erst König von Bhutan gekrönt.

Der Straße weiter nach Osten folgend durchquert man den Thrumshingla Nationalpark, der der jüngste Nationalpark von Bhutan ist. Hier wachsen Wälder in alpinen Höhenlagen bis hinab in subtropische Gebiete in einer der unberührtesten Gegenden des Himalayas und unter den größten Klimaunterschieden der Welt. Das abwechslungsreiche Gebiet ist der Heimatort vieler Pflanzen- und Tierarten, die nur hier ein Zuhause finden. Neben den über 340 verschiedenen Vogelarten, die den Nationalpark zu einem Paradies für Vogelliebhaber machen, gehören Schneeleoparden, Königstiger und Rote Pandas zu den besonderen Vertretern des Tierreiches.

Schneeleopard - Bhutan
Schneeleoparden haben in der Bergwelt von Bhutan einen Lebensraum gefunden, den die Bhutanesen mit großer Sorgfalt schützen.

Ab hier beginnt die raueste Seite von Bhutan und es eröffnet sich die Gebirgswelt von Mongar. Hier, im Zentrum von Bhutan, werden Täler zu schmalen Schluchten verengt, die von reißenden Gebirgsflüssen und tosenden Wasserfällen durchzogen werden. Die Bergstraßen werden immer schmaler und bedeuten mit unzähligen Kurven ein Abenteuer für sich.

Die geografischen Begebenheiten von Bhutan sind so abwechslungsreich, wie in kaum einem anderen Land. Während im Norden die Bergspitzen der Siebentausender und Gletscher dominieren finden sich in den von Flüssen durchzogenen Hochebenen des Vorderhimalaya Nadel- und Laubwaldbestände. Der Süden dominiert mit savannenartigem Grasland und subtropischem Regenwald, in dem eine besondere Vielfalt der Pflanzen- und Tierwelt einen idealen Lebensraum in Bhutan gefunden hat.

Der buddhistische Glauben mit seiner einhergehenden Kultur  spiegelt die besondere Lebensweise der Bhutanesen wieder. In Bhutan wurde erst  1999 das Fernsehen eingeführt und erst seit 2004 sind in Bhutan Mobiltelefone erlaubt. Lebt man in Europa oder Nordamerika mag das unvorstellbar klingen und so erscheint das Land Bhutan nach wie vor isoliert von der Welt. Doch für viele Bhutan-Reisende wird neben der atemberaubenden Landschaft genau diese Lebensweise Interesse wecken.

Bhutan bedeutet Spiritualität im Einklang mit unberührter Natur und wer das Glück hat nach Bhutan zu reisen wird als neuer Mensch vielen Eindrücken erlebnisreicher Tage nach Hause kehren.

Bildnachweis v.o.n.u.: © Katharina Hoyer, qayyaq, Katharina Hoyer, qayyaq, Karin Miersch – pixelio.de